Info Winkelangaben


Entfernungen am irdischen Himmelsgewölbe werden als Winkel angegeben. Doch was haben diese Angaben zu bedeuten?

Der Himmel scheint sich wie eine Halbkugel über die Erde zu wölben. Durch eine weitere, unter der Erdoberfläche liegende Halbkugel wird das Himmelsgewölbe zu einer vollen Kugel ergänzt. An dieser Kugel kann man Winkel messen. Grundlage dazu bildet der Vollkreis mit 360 Grad. Ein Halbkreis hat dann natürlich 180 Grad. Am Himmel ist beispielsweise der Bogen vom Südpunkt am Horizont über den Zenit (den Punkt senkrecht über uns) bis zum Nordpunkt des Horizontes ein solcher Halbkreis und umfaßt daher 180 Grad. Vom Horizont zum Zenit ist es nur noch ein Viertelkreis oder 90 Grad. Die Mondscheibe oder auch die Sonnenscheibe ist nur noch 0,5 Grad im Durchmesser. Kleinere Einheiten sind die Bogenminute und die Bogensekunde, wobei ein Grad gleich 60 Bogenminuten ist und eine Bogenminute wiederum 60 Bogensekunden entspricht. Eine Bogensekunde oder 1/3600 Grad ist also ein sehr kleiner Winkel und entspricht etwa einer Strecke von einem Meter Länge aus 200 Kilometern Entfernung gesehen! Das menschliche Auge kann übrigens zwei Punkte gerade noch trennen, wenn sie etwa 3 Bogenminuten (oder eine Zehntel Vollmondscheibe) voneinander entfernt sind.

Der Winkelabstand eines Gestirns von einem anderen ist der Abstand der beiden Gestirne am Himmelsgewölbe. Wenn zum Beispiel die Venus von der Sonne 40 Grad entfernt steht, dann liegt zwischen beiden Gestirnen am Himmel ein Bogen von 40 Grad, d.h. der Winkel Sonne - Beobachter - Venus beträgt 40 Grad. Bei diesem Winkelabstand könnte man etwa 80 Vollmondscheiben am Himmel zwischen Sonne und Venus aufreihen.

Unter der Höhe eines Gestirns versteht man den Winkelabstand des Gestirns vom Horizont. Negative Werte bedeuten dabei eine Stellung unter dem Horizont und positive Werte eine Stellung über dem Horizont. Eine Höhe von 0 Grad bedeutet, daß das Objekt auf Horizonthöhe steht. Steht ein Gestirn 90 Grad hoch (was gleichzeitig die größtmögliche Höhe ist), dann steht es senkrecht über uns im Zenit. Schließlich liegt ja wie schon gesagt zwischen Horizont und Zenit ein Viertelkreis oder eben 90 Grad. Zum Vergleich: Die Mittagshöhe der Sonne beträgt in Deutschland (50 nördliche Breite) am Sommeranfang über 63 Grad, zur Frühlings- oder Herbst-Tagundnachtgleiche 40 Grad und am Winteranfang nur noch knapp 17 Grad.

Der scheinbare Monddurchmesser [1.527 bytes] Als scheinbaren Durchmesser versteht man den Winkeldurchmesser eines Objektes am Himmelsgewölbe. Der Mond und die Sonne haben (wie oben bereits erwähnt) einen scheinbaren Durchmesser von ca. 0,5 Grad (siehe Abbildung). Diese beiden Gestirne sind gleichzeitig die einzigen, die mit dem bloßem Auge noch scheibenförmig gesehen werden können. Die Planeten beispielsweise erscheinen uns punktförmig. Den größten scheinbaren Durchmesser der Planeten kann noch die Venus erreichen. In unterer Konjunktion (Info Planetenstellungen) wächst der scheinbare Venusdurchmesser auf 1 Bogenminute an, was einem Dreißigstel des scheinbaren Monddurchmessers entspricht. Jupiter kann in Opposition noch auf knapp 50 Bogensekunden kommen, die anderen Planeten sind noch kleiner. Der scheinbare Durchmesser der Sterne schließlich ist so klein, daß sie auch in den größten Teleskopen punktförmig bleiben. Selbst der Stern mit der größten Winkelgröße kommt nur auf bescheidene 0,05 Bogensekunden!


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by Patrick Thürstein

(17.02.2001)