Venus

der verhüllte Planet

Die wolkenverhüllte Venus [13.450 bytes]Von der Sonne aus gezählt ist die Venus der zweite Planet unseres Sonnensystems. Von allen Planeten hat sie die Umlaufbahn, die am wenigsten von der exakten Kreisform abweicht: Der Abstand von der Sonne schwankt nur zwischen 107,5 und 108,9 Millionen Kilometern. Einen Umlauf um das Zentralgestirn schafft sie in 224,7 Tagen.
Mit einem Durchmesser von 12104 Kilometern und gut vier Fünftel der Erdmasse ist die Venus ein wenig kleiner als die Erde. Um sich einmal um ihre Achse zu drehen, benötigt die Venus 243 Tage, das ist der längste Wert von allen Planeten des Sonnensystems. Die Rotation verläuft retrograd, das heißt, die Venus dreht sich entgegengesetzt zu der im Sonnensystem üblichen Rotationsrichtung, also andersherum als die meisten anderen Planeten. In Verbindung mit der Umlaufzeit ergibt sich daraus ein Tag-und-Nacht-Zyklus von knapp 117 Tagen.
Die Venus ist von einer sehr mächtigen Atmosphäre umhüllt, deren Wolkenschichten einen Blick auf die Oberfläche im sichtbaren Licht unmöglich machen. 65 Prozent des Sonnenlichtes werden von der Wolkenhülle reflektiert, der Rest zum größten Teil absorbiert. Die Wolken bestehen hauptsächlich aus Schwefelsäuretröpfchen, wobei der Schwefel wahrscheinlich durch Vulkanausbrüche in die Atmosphäre gelangt ist. Die Venuswolken besitzen eine gewisse Ähnlichkeit mit irdischem Großstadtsmog. Die Venusluft besteht in den unteren Schichten zu 96,4 Prozent aus Kohlendioxid, was zu einem sehr stark ausgeprägten Treibhauseffekt führt. Durch diesen und durch die Absorption in der Wolkenhülle heizt sich die Venusatmosphäre stark auf; an der Oberfläche liegt die Temperatur bei etwa 460 Grad Celsius. Die Wärme wird von der Atmosphäre so gut verteilt, dass es kaum Temperaturunterschiede zwischen Äquator- und Polregionen gibt und auch nicht zwischen Tag- und Nachtseite. Der "Luft"-Druck liegt am Boden bei etwa 90 bar; das entspricht auf der Erde dem Wasserdruck in 900 Metern Tiefe. Auf der Venusoberfläche ist es etwa so hell wie an einem sehr stark bewölkten Tag auf der Erde. Der Himmel ist orange gefärbt, das Licht kommt diffus aus allen Richtungen. Die Position der Sonne ist selbst in einer Höhe von 60 Kilometern noch nicht feststellbar. In den untersten 30 Kilometern ist die Atmosphäre jedoch recht klar; die Sichtweite am Boden liegt bei einigen Kilometern.
Radarbild eines Venuskraters [25.306 bytes]Die Kartographierung der Venusoberfläche ist nur durch Radarbeobachtungen möglich. Auch auf diesem Planeten gibt es viele Einschlagskrater. Das Auswurfmaterial verhält sich in der dichten Atmosphäre fast wie eine Flüssigkeit, so dass es sich oft in blütenblattähnlichen Formen ansammelt (siehe Abbildung). Wenn der Meteorit schräg auf die Oberfläche trifft, spritzt außerdem kaum Material in die Richtung, aus der der Meteorit kam. Auf der Venus verwittern die Krater dank der Trockenheit nur sehr langsam, trotz der hohen Atmosphärendichte. Die Kraterdichte ist deutlich niedriger als auf Merkur oder dem Erdmond, die Venusoberfläche ist daher relativ jung. Es wurden keine Formationen entdeckt, die älter als etwa eine Milliarde Jahre sind. Die Oberfläche wurde früher von Lavaströmen "eingeebnet", ein Großteil der Oberfläche wurde vor etwa 400 Millionen Jahren zum letzten Mal von Lava überflutet. Es ist nicht auszuschließen, dass es auch heute noch aktive Vulkane auf der Venus gibt.
Die Venusoberfläche liegt zum größten Teil auf einem Niveau, über 80 Prozent weichen nicht mehr als einen Kilometer vom mittleren Radius ab. 10 Prozent der Oberfläche sind mit Hochländern bedeckt, die sich bis zu 11 Kilometer über dem Bezugsniveau erheben. Die beiden großen Hochländer auf der Venus heißen Ischtar Terra und Aphrodite Terra. Die höchste Erhebung stellen die Maxwell Montes dar, die zu Ischtar Terra gehören. Alle Venusformationen werden übrigens nach Frauen benannt, die in der Geschichte, Mythologie oder Religion eine wichtige Rolle gespielt haben. Die einzige Ausnahme von dieser Regel stellen die schon erwähnten Maxwell Montes dar, die nach dem großen britischen Physiker Maxwell benannt sind.
Ein spürbares Magnetfeld besitzt die Venus nicht. Wenn überhaupt, dann ist es mindestens um den Faktor 10.000 schwächer als das der Erde. Dies ist etwas verwunderlich, da die Erde und die Venus sich doch in der Größe und wohl auch im inneren Aufbau recht ähnlich sind. Vielleicht liegt es einfach daran, dass die äußerst geringe Rotationsgeschwindigkeit der Venus nicht ausreicht, um im metallischen Kern eine nennenswerte Zirkulation und damit ein Magnetfeld zu erzeugen. Der Sonnenwind kann aber aufgrund der dichten Atmosphäre trotzdem nicht bis zur Planetenoberfläche vordringen.


Daten und Fakten zur Venus

Mittlere Entfernung von der Sonne 108,2 Millionen Kilometer 0,723 AE
Kleinste Entfernung von der Sonne 107,5 Millionen Kilometer 0,719 AE
Größte Entfernung von der Sonne 108,9 Millionen Kilometer 0,728 AE
Numerische Bahnexzentrizität 0,0068 --
Bahnneigung gegen die Ekliptik (Erdbahnebene) 3,395 Grad --
Umlaufzeit (siderisch) 224,701 Tage 0,615 Jahre
Mittlere Bahngeschwindigkeit 35,03 Kilometer pro Sekunde 1,18 mal Erdenwert
Durchmesser (am Äquator) 12104 Kilometer 0,949 mal Erdenwert
Abplattung praktisch Null --
Masse 4,869 mal 10 hoch 24 Kilogramm 0,815 mal Erdenwert
Mittlere Dichte 5,27 Gramm pro Kubikzentimeter --
Rotationszeit 243,01 Tage (retrograd) --
Dauer des Tag-und-Nacht-Zyklus 116,75 Tage --
Achsneigung gegen die Senkrechte der Planetenbahnebene 177,4 Grad --
Albedo (Rückstrahlungsvermögen) 65 Prozent --
Schwerkraft an der Oberfläche (Äquator) 8,87 Meter durch Sekundenquadrat 0,91 mal Erdenwert
Fluchtgeschwindigkeit (Äquator) 10,36 Kilometer pro Sekunde 0,93 mal Erdenwert
Atmosphärendruck an der Oberfläche 90 bar 89 mal Erdenwert
Synodische Umlaufzeit 583,92 Tage 5 Tag-und-Nacht-Zyklen
Entfernung von der Erde 38,8 bis 260,9 Millionen Kilometer 0,259 bis 1,744 AE
Anzahl der Monde keine --



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by Patrick Thürstein

(17.02.2001)