Pluto

der Winzling am Rande des Sonnensystems

Aus Hubble-Daten computerbearbeitete Abbildung des Pluto [19.620 bytes]Pluto ist der äußerste der uns bisher bekannten neun Planeten unseres Sonnensystems. Seine mittlere Entfernung von der Sonne beträgt 5,9 Milliarden Kilometer. Der kleine Planet hat die ausgefallenste Umlaufbahn aller Planeten: Sie weicht mit einer numerischen Exzentrizität von 0,248 am stärksten von einer Kreisbahn ab. Die Entfernung von der Sonne schwankt zwischen 4425 und 7375 Millionen Kilometern. Damit steht Pluto näher an der Sonne als der weiter innen laufende Neptun, wenn sich Pluto durch seinen sonnennächsten Bahnteil bewegt. Dies war beispielsweise im Zeitraum zwischen den Jahren 1979 und 1999 der Fall. Seit dem 9. Februar 1999 ist Pluto wieder weiter von der Sonne entfernt als Neptun. Trotzdem überkreuzen sich die Bahnen von Neptun und Pluto nicht - denn die Plutobahn weist eine weitere extreme Eigenschaft auf: Sie ist mit gut 17 Grad am stärksten von allen Planetenbahnen im Sonnensystem gegen die Erdbahnebene geneigt. Wenn Pluto durch den sonnennächsten Bahnteil wandert, steht er über eine Milliarde Kilometer "oberhalb" der Neptunbahn, so dass keine Kollisionsgefahr besteht. Für einen Umlauf um die Sonne braucht Pluto fast ein Vierteljahrtausend, nämlich 247,7 Jahre.
Pluto ist mit knapp 2300 Kilometern Durchmesser der kleinste Planet des Sonnensystems. Seine Masse ist weniger als ein Vierhundertstel der Erdmasse. Über seine Oberfläche ist nur relativ wenig bekannt - Pluto ist der einzige Planet, der noch nicht mit Raumsonden untersucht wurde. Die Plutooberfläche besteht wahrscheinlich aus Methaneis. Pluto scheint dem Neptunmond Triton ähnlich zu sein und besitzt im Inneren einen Gesteinskern, der von einem Eismantel umgeben wird. Der Planet wird von einer sehr dünnen Atmosphäre aus Methan eingehüllt; der Oberflächendruck ist mit einem Hunderttausendstel des irdischen Luftdrucks in Meereshöhe etwa so hoch wie auf Triton. Die Plutoatmosphäre ist möglicherweise nicht immer vorhanden. Wenn der Planet durch sonnenferne Bahnteile läuft, friert die Atmosphäre wahrscheinlich aus und schlägt sich als Reif auf der Oberfläche nieder.
Der Planet Pluto wurde erst vor etwa 70 Jahren entdeckt. Die Geschichte seiner Entdeckung beginnt jedoch schon im 19. Jahrhundert, einige Jahrzehnte nachdem Neptun gefunden wurde, auf dessen Existenz die Astronomen aufgrund von Abweichungen in der Uranusbewegung schlossen. Nach der Neptunentdeckung wurde nämlich klar, dass sich die Bahnstörungen des Uranus auch unter Berücksichtigung des Einflusses von Neptun nicht vollständig erklären ließen. So vermutete Camille Flammarion bereits 1879 einen weiteren Planeten, der sich außerhalb der Neptunbahn um die Sonne bewegen sollte. Bald darauf wurde mit der Suche nach diesem "Planet X" begonnen.Pluto-Aufnahme (Hubble Space Telescope) [2.999 bytes] Eine wichtige Rolle spielte dabei der Astronom Percival Lowell, der 1894 eine Sternwarte gründete. Er begann 1905 mit der Analyse der Bahnabweichungen und startete eine intensive Suchaktion. Als Lowell 1916 starb, war der Planet immer noch nicht entdeckt. Später sollte sich herausstellen, dass Pluto auf Fotoplatten, die Lowell selbst noch untersucht hatte, abgebildet war. Die Suchaktion wurde fortgesetzt. Doch erst der Einsatz einer neuen Astrokamera ab dem Jahr 1929 brachte einen Durchbruch. Schließlich wurde der neue Planet am 18. Februar 1930 von Clyde Tombaugh auf zwei am 21. und 29. Januar 1930 belichteten Fotoplatten in der Nähe des von Lowell vorausberechneten Ortes gefunden. Erst am 75. Geburtstag des verstorbenen Percival Lowell, dem 13. März 1930, wurde die Entdeckung bekanntgegeben. Später stellte sich heraus, dass die Entdeckung von Pluto eigentlich reines Glück gewesen war, denn die Masse dieses Planeten ist viel zu gering, um Uranus und Neptun merklich zu beeinflussen - daher ist es auch nicht möglich, aus deren Bahnstörungen auf die Position von Pluto zu schließen.
Im Jahre 1978 entdeckte J. W. Christy überraschend einen Plutomond. Er fand ihn bei der genaueren Untersuchung vieler Pluto-Fotos der letzten Jahre. Auf manchen Abbildungen entdeckte er eine Ausbuchtung im stark verwaschenen Pluto-Abbild. Als er feststellte, das diese "Beulen" mit einer bestimmten Periode auftraten, war der Mond als Ursache gefunden. Der Begleiter erhielt den Namen Charon und bewegt sich in einer Entfernung von 19.130 Kilometern in 6,39 Tagen einmal um Pluto. Diese Zeit entspricht exakt der Rotationszeit von Pluto und auch der von Charon - damit weist das Pluto-Charon-System eine "doppelt gebundene Rotation" auf; die beiden Himmelskörper wenden sich gegenseitig immer dieselbe Seite zu. Mit einem Durchmesser von 1192 Kilometern ist Charon der im Verhältnis zu seinem Mutterplaneten größte Mond im ganzen Sonnensystem, denn dieser Wert entspricht 52 Prozent des Plutodurchmessers. Die Umlaufbahn von Charon ist genau wie die Rotationsachse von Pluto um 118 Grad zur Plutobahnebene geneigt. Damit liegt auch Pluto sozusagen "auf der Seite".


Daten und Fakten zu Pluto

Mittlere Entfernung von der Sonne 5900 Millionen Kilometer 39,4 AE
Kleinste Entfernung von der Sonne 4425 Millionen Kilometer 29,6 AE
Größte Entfernung von der Sonne 7375 Millionen Kilometer 49,3 AE
Numerische Bahnexzentrizität 0,248 --
Bahnneigung gegen die Ekliptik (Erdbahnebene) 17,15 Grad --
Umlaufzeit (siderisch) 247,7 Jahre --
Mittlere Bahngeschwindigkeit 4,74 Kilometer pro Sekunde 0,16 mal Erdenwert
Durchmesser (am Äquator) 2284 Kilometer 0,179 mal Erdenwert
Masse 1,36 mal 10 hoch 22 Kilogramm 0,0023 mal Erdenwert
Mittlere Dichte etwa 2 Gramm pro Kubikzentimeter --
Rotationszeit 6,39 Tage --
Achsneigung gegen die Senkrechte der Planetenbahnebene 118 Grad --
Albedo (Rückstrahlungsvermögen) 55 Prozent --
Schwerkraft an der Oberfläche (Äquator) 0,72 Meter durch Sekundenquadrat 0,074 mal Erdenwert
Fluchtgeschwindigkeit (Äquator) 1,27 Kilometer pro Sekunde 0,114 mal Erdenwert
Synodische Umlaufzeit 366,73 Tage --
Entfernung von der Erde 4275 bis 7525 Millionen Kilometer 28,6 bis 50,3 AE
Anzahl der Monde 1 --



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by Patrick Thürstein

(17.02.2001)