Info Planetenstellungen


Von der Erde aus gesehen können wir die Planeten unseres Sonnensystems nicht immer gleich gut beobachten. Es gibt Planetenstellungen relativ zu Sonne und Erde, bei denen wir den Planeten gut beobachten können, aber es gibt natürlich auch Stellungen, bei denen der Planet unsichtbar ist.

Die acht Planeten unseres Sonnensystems mit Ausnahme der Erde können wir in zwei große Gruppen aufteilen, deren Sichtbarkeitsverhältnisse sich grundlegend unterscheiden. Das sind

  • die unteren Planeten (Merkur und Venus), die sich innerhalb der Erdbahn um die Sonne bewegen; und
  • die oberen Planeten (Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto), die sich außerhalb der Erdbahn um die Sonne bewegen.





    Stellungen der unteren Planeten [5.232 bytes] Bei den unteren Planeten Merkur und Venus treten folgende Hauptstellungen auf (siehe Abbildung):

    - die obere Konjunktion [zur Sonne]: Der Planet steht von der Erde aus gesehen hinter der Sonne. Die Entfernung Erde - Planet erreicht etwa gleichzeitig ihren Maximalwert. Der Planet kann nicht beobachtet werden, da er in Richtung Sonne steht.
    - die untere Konjunktion [zur Sonne]: Der Planet steht zwischen Erde und Sonne. Zwar erreicht etwa gleichzeitig die Entfernung zwischen der Erde und dem Planeten ihren kleinsten Wert, aber der Planet kann trotzdem nicht gesehen werden, da er gleichfalls in Richtung Sonne steht. Übrigens: Da die Bahnen der Planeten etwas gegen die Erdbahnebene (Ekliptik) geneigt sind, laufen die unteren Planeten in unterer Konjunktion meist etwas ober- oder unterhalb der Sonne vorbei. Nur selten kommt es zu einem Vorübergang des Planeten vor der Sonne (Durchgang oder Transit), bei dem der Planet als dunkle Scheibe vor der Sonne erkennbar wird. Der nächste Merkurdurchgang wird erst am 7.5.2003 stattfinden, der nächste Venusdurchgang sogar erst am 7.6.2004.
    - die größte östliche Elongation [von der Sonne]: Der Planet erreicht seinen größten östlichen Winkelabstand (Elongation) von der Sonne, d.h. der Winkel Sonne - Erde - Planet erreicht seinen größten Wert (Info Winkelangaben). Der Planet kann am Abendhimmel nach Sonnenuntergang im Westen gesehen werden.
    - die größte westliche Elongation [von der Sonne]: Der Planet erreicht seinen größten westlichen Winkelabstand von der Sonne und kann am Morgenhimmel vor Sonnenaufgang im Osten gesehen werden.

    Venus kann in größter Elongation höchstens 48 von der Sonne entfernt stehen, Merkur sogar nur 28. Die unteren Planeten halten sich also am Himmel immer in der Nähe der Sonne auf. Venus kann in unseren Breiten höchstens etwa vier Stunden vor der Sonne aufgehen oder nach ihr untergehen. Bei Merkur liegt dieser Wert sogar bei nur etwa zwei Stunden. In unseren Breitengraden kann Merkur bei vielen Elongationen sogar überhaupt nicht gesehen werden. Günstig sind bei beiden Planeten östliche Elongationen im Winter und Frühjahr und westliche Elongationen im Spätsommer und Herbst.

    Phasen der unteren Planeten [5.148 bytes]
    Die unteren Planeten zeigen Phasengestalten (siehe Abbildung). In oberer Konjunktion ist die beleuchtete Seite unserer Erde zugekehrt, wir beobachten "Vollmerkur" bzw. "Vollvenus". Aufgrund der großen Entfernung erscheint uns das Planetenscheibchen relativ klein. Wenn sich der Planet aus der oberen Konjunktionsstellung herausbewegt und langsam Winkelabstand von der Sonne gewinnt, wird das Planetenscheibchen größer (weil die Entfernung abnimmt). Gleichzeitig nimmt der Beleuchtungsgrad der Scheibe langsam ab. Wenn der Planet seine größte Elongation von der Sonne erreicht hat, kann man ihn als "Halbmerkur" bzw. "Halbvenus" beobachten. Die exakte Halbphase (Dichotomie) weicht dabei meist einige Tage von der größten Elongation ab.
    Nach der größten Elongation nimmt der Winkelabstand von der Sonne wieder ab, der Planet nähert sich der unteren Konjunktion. Das Planetenscheibchen wird weiter größer und der Beleuchtungsgrad nimmt weiter ab. Der Planet erscheint als Sichel, die immer größer und dünner wird. In der unteren Konjunktion schließlich erreicht das Planetenscheibchen seine maximale Größe, aber der Beleuchtungsgrad ist auf (fast) Null abgesunken, wir beobachten "Neumerkur" bzw. "Neuvenus". Nach der unteren Konjunktion nimmt der Beleuchtungsgrad des Planetenscheibchens wieder zu und die Größe nimmt ab, bis wieder die obere Konjunktion und die Vollphase erreicht ist.





    Stellungen der oberen Planeten [4.637 bytes] Folgende Hauptstellungen treten bei den außerhalb der Erdbahn laufenden oberen Planeten Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto auf (siehe Abbildung):

    - die Konjunktion [zur Sonne]: Bei den oberen Planeten gibt es nur eine Stellung, in der der Planet in Richtung Sonne steht, weshalb man sie einfach als Konjunktion bezeichnet. Der obere Planet steht von der Erde aus gesehen hinter der Sonne und ist unbeobachtbar. Etwa gleichzeitig erreicht auch die Entfernung des Planeten von der Erde ihren maximalen Wert.
    - die Opposition [zur Sonne]: Der Planet steht der Sonne am Himmel gegenüber und ist damit in bester Beobachtungsposition. Er geht etwa bei Sonnenuntergang auf und bei Sonnenaufgang unter und ist die ganze Nacht hindurch über dem Horizont. Etwa gleichzeitig mit der Oppositionsstellung tritt auch die kleinste Erdentfernung und damit der größte Scheibchendurchmesser und die größte Helligkeit ein.
    - die (östliche oder westliche) Quadratur [zur Sonne]: In diesen Stellungen steht der Planet am irdischen Himmel 90 von der Sonne entfernt und ist am Abendhimmel (bei östlicher Quadratur) bzw. am Morgenhimmel (bei westlicher Quadratur) zu beobachten.

    Die oberen Planeten zeigen im Gegensatz zu den unteren Planeten praktisch keinen Phasenwechsel mehr, sondern sind immer in Vollphase zu sehen. Exakte Vollphase ist in der Konjunktions- und Oppositionsstellung zu beobachten, aber auch zu anderen Zeiten ist die Abweichung von der genauen Vollphase so klein, daß sie nicht zu bemerken ist. Lediglich beim Mars kann bei Stellungen in der Nähe der Quadratur noch eine Art "Dreiviertelphase" gesehen werden (Beleuchtungsdefekt).





    Entstehung der Rückläufigkeit [5.826 bytes] Nun soll noch das Phänomen der Rückläufigkeit erklärt werden. Je weiter innen ein Planet um die Sonne läuft, umso schneller tut er das. Die äußeren Planeten werden also ständig von den inneren überholt. Unsere Erde wird von den unteren Planeten überholt und überholt selbst die oberen Planeten.
    Wenn nun die Erde einen oberen Planeten überholt (in der Zeit um die Oppositionsstellung herum) oder von einem unteren Planeten überholt wird (um die untere Konjunktion herum), dann scheint der Planet seine normale Bewegungsrichtung durch die Sternbilder des Himmels umzukehren und ein Stück zurückzulaufen (siehe Abbildung).
    Wohlgemerkt: Das bezieht sich nicht auf die tägliche Bewegung des Planeten infolge der Erddrehung, sondern auf die wesentlich langsamere Bewegung "vor dem Sternenhintergrund", also durch die normalen Sternbilder des Himmels hindurch. Wer die Position eines Planeten in einem Sternbild genau feststellt und das einige Wochen später wiederholt, wird merken, daß der Planet seine Position im Sternbild verändert hat oder sogar in ein anderes Sternbild gewechselt ist. Diese Bewegung durch die Sternbilder läuft normalerweise von West nach Ost ab. Doch zu bestimmten Zeiten wird der Planet in seiner normalen, "rechtläufigen" Bewegung immer langsamer und kommt schließlich zum Stillstand (er wird "stationär"). Anschließend läuft er wieder ein Stück zurück von Ost nach West (der Planet ist "rückläufig"), um nach einer gewissen Zeit wieder stationär zu werden. Danach wandert er wieder rechtläufig durch die Sternbilder.
    Wenn alle Planetenbahnen genau in einer Ebene liegen würden, würde diese Rückwärtsbewegung auf einer Linie vor und zurück erfolgen. Da jedoch die Bahnen der Planeten gegeneinander geneigt sind, kann diese Vor- und Zurückbewegung zu einer S-förmigen Bewegung oder sogar zu einer regelrechten Schleife ausarten.


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    by Patrick Thürstein

    (17.02.2001)